Offener Brief an die „Kieler Initiative für Tierbefreiung“ und die „Hansastraße 48“ vom 13.05.2010

Am 22. und 23. Mai finden in dem alternativen Kommunikations- und Kulturzentrum „Hansastraße 48“ die „Tierbefreiungstage“, veranstaltet von der „Kieler Initiative für Tierbefreiung“ (KIT), statt. Im Zuge dessen soll die Gruppe „Tierrechts-Aktion-Nord“ (TAN) aus Hamburg am Sonntag, den 23. Mai, einen Vortrag halten. Die KIT sieht anscheinend, trotz Kenntnis der unten genannten Vorfälle, keinen Handlungsbedarf, die TAN aus dem Veranstaltungsprogramm zu streichen.

Zur TAN

Die TAN fiel in den letzten Jahren nicht nur durch Tierrechtsarbeit auf, sondern auch durch Verhalten, das wir als linksradikale Menschen für absolut untragbar halten.

Im Zusammenhang mit der öffentlichen Erklärung von 2007 „Zum aktuellen Umgang mit einem Vergewaltiger. Sexualisierte Gewalt in linken und subkulturellen Zusammenhängen“ der Unterstützer_innengruppe einer von sexualisierter Gewalt Betroffenen, heftete eine TAN-Aktivistin einen Text mit dem Titel „Anmerkungen zu einer schmutzigen Geschichte und Kritik an dem Ausverkauf des Vergewaltigungsbegriffs“ an diese Erklärung. Dieser Text verbreitete die Täterversion der Vergewaltigung und stellte die Definitionsmacht allgemein und die der Frau infrage, um sie unglaubwürdig darzustellen. Darauf folgend wurde Ende 2007 ein Redebeitrag, der wiederum die Definitionsmacht anzweifelt und den Täter zum Opfer macht, unter verbalem und körperlichem Schutz von u. a. der TAN auf einer Tierrechtssoli-Veranstaltung in der Roten Flora gehalten, obwohl einige Flora-Aktivist_innen im Vorfeld versuchten, den Redebeitrag zu unterbinden. Trotz mehrfacher Aufforderung einiger Gruppen aus Hamburg, positionierte und distanzierte sich die TAN nie direkt zu den Vorwürfen gegen die Gruppe und zu der Verdrehung der Vergewaltigung aus Sicht des Täters. Damit stellt sich die TAN auf die Seite des Täters und betreibt Täterschutz.*

Ende 2009 tat sich die TAN, zusammen mit anderen Zusammenhängen aus dem B5-Spektrum, bei der gewaltsamen Verhinderung des Claude Lanzmanns-Films „Warum Israel“ hervor. Hierbei wurden Kinobesucher_innen verbal und körperlich attackiert, dabei fielen, u. a. antisemitische und sexistische, Äußerungen, die nicht hinnehmbar sind. Aktuell vor rund einem Monat drohte ein TAN-Mitglied einem damals angegriffenen Kinobesucher mit dem Tod, wenn er für sein gewalttätiges Verhalten vor Gericht kommen würde. Verbale und körperliche Angriffe dieser Art können für uns nicht als Kritik verharmlost werden und haben nichts mit einer emanzipatorischen, politischen Praxis zu tun.

Unsere Forderung

Wir fordern, dass die KIT und/oder die Hansa48 sich zum Verhalten der TAN positionieren und die notwendige Konsequenz daraus folgen lassen, die TAN wieder auszuladen. Für eine emanzipatorische Linke kann eine Zusammenarbeit mit solchen Gruppen nicht erfolgen, da der Schutzraum für die Thematisierung von sexualisierter Gewalt und Sexismus nicht mehr gegeben ist, wenn Täterschützer_innen, deren Position zur Definitionsmacht unklar ist, den Raum für sich beanspruchen. Für uns kann es kein Absprechen der Definitionsmacht geben, da diese eine persönliche Wahrnehmung/Grenze von Betroffenen ist, die als solche zu respektieren ist.

marlenehatesgermany

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* Für eine ausführlichere Beschäftigung mit der Rolle der TAN in der Täterschutzdebatte, als oben beschrieben, können die Texte und Schriftwechsel im Schwarzmarkt oder in der „ZECK“, Nr. 140-145, nachgelesen werden.